Gruseltour Berlin

Gruselspaß mit Lerneffekt

Eine Stadtführung der anderen Art – schaurig und mystisch – bietet „Gruseltour Berlin“. Dabei werden die Gäste in die dunkelsten Geheimnisse Berlins eingeweiht.

Welcher Mörder hat einst in Berlin Menschen zu Dosenfleisch verarbeitet? Warum soll hier ein Todesomen umgehen? Wo geht von Mumien ein unheimlicher Fluch aus – und das mitten in Berlin? Was haben Knochenmehl, Blut und Spreewasser gemeinsam? …
„Wir entführen unsere Gäste in vergangene Zeiten Berlins, zeigen ihnen Orte fernab der normalen Touristenattraktionen und offenbaren düstere, wahre Begebenheiten“, berichtet Clarissa Herzog. Sie ist Gründerin des Unternehmens Mysterium Tremendum in Leipzig, zu welchem das Projekt Gruseltour Berlin gehört. Inzwischen betreibt Clarissa Herzog das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Partner Sebastian Rothe.

Eine Kombination aus Grusel, Wissensvermittlung und Theater, wobei die Gäste aktiv einbezogen werden – so kann man sich die speziellen Stadtführungen vorstellen. Gespenster und Gruselgeschichten dürften so alt sein wie die Lust am Erzählen überhaupt. Sich schaurig gruseln, sich erschrecken, ein leichtes Kribbeln im Bauch spüren – das lieben die Menschen einfach. Sie fürchten sich gern und genießen das Auf und Ab der Emotionen, wenn sie sich dabei in Sicherheit fühlen. Auf gruselig inszenierte Situationen reagiert der menschliche Körper mit der Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin, und durch das gleichzeitige Wissen, dass nichts Schlimmes passieren kann, breiten sich Entspannung und Erleichterung aus, verbunden mit Freude. Bei diesem paradoxen Phänomen sprechen die Forscher von einer sogenannten „Angstlust“.

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Foto: © Gruseltour Berlin

Diese „Angstlust“ der Menschen sowie die Faszination für das Mysteriöse und den Reiz an unheimlichen Orten und Geschichten kennt auch die in Berlin geborene Clarissa Herzog: „Als Touristin reiste ich stets in die Metropolen der Welt, um dort die gruseligen Sehenswürdigkeiten kennenzulernen: Spukorte, mystische Plätze mit dunkler oder magischer Vergangenheit, schaurige Gebäude aller Art. Man lernte diese vor allem in sogenannten Haunted Walks oder Ghost Tours kennen, bei denen schaurig-schöne Geschichten dazu erzählt werden. Ich war sofort fasziniert von diesem unheimlichen Wissen, was während solcher Führungen vermittelt wird, aber so in keinem Reiseführer zu finden ist.“
Nachdem Clarissa Herzog nach Leipzig gezogen war, wollte sie auch hier eine Gruseltour mitmachen, doch in der über 1.000 Jahre alten Stadt gab es keine derartigen Touren. Aus Interesse an der Stadt begann sie daher, in den Universitätsbibliotheken zu recherchieren, in denen sie unter anderem Zugang zu Büchern über Aberglauben, Okkultisten und „Zauberwissen“ aus dem 18. Jahrhundert fand. Das waren die Vorbereitungen zur ersten Gruseltour 2013 in Leipzig.
„Aber mein Herz hing natürlich immer noch an Berlin“, so Clarissa Herzog. „Schließlich begann ich auch hier meine Recherche und stieß schon auf dem Dachboden meiner Oma auf ein spannendes 100 Jahre altes Buch namens Geheime Kunst-Schule magischer Wunderkräfte. Ab da an war ich Feuer und Flamme.“
Während ihrer düsteren Recherche begegneten ihr in alten Schriften die Lebensgeschichten echter Alchemisten und deren Treiben in Berlin. Sie forschte über Mumien in der Hauptstadt, begutachtete die 800 Jahre alte Stadtmauer, entdeckte immer wieder dunkle Legenden und fürchtete sich vor den Geistern, die in Berlin ihr Unwesen treiben sollen.
„All das Erforschte, unsere Geschichten beruhen auf Fakten, erzählen und zeigen wir seit 2018 während der Gruseltour in Berlin“, erzählt Clarissa Herzog. „Mit wachsendem Interesse der Touristen wuchs auch unser magischer Zirkel, wie wir gerne unser Team nennen. Dieses besteht aus 20 Personen in Leipzig und Berlin.“
Dem „magischen Zirkel“, also dem Team, gehören allerlei interessante Menschen an: wie beispielsweise ausgebildete Schauspieler, Studenten, Musiker, Synchronsprecher, Reiseführer, Historiker. Das verbindende Element aller „Zirkelmitglieder“ besteht in einem großen Interesse an schaurigen Geschichten, an Theater und düster-romantischer Kleidung.
Clarissa Herzog: „Ich, als Gründerin, habe selbst Politikwissenschaften und Ethnologie studiert und abgeschlossen. Nach einem mehrjährigen Berufsleben im Angestelltenverhältnis habe ich jedoch gemerkt, dass ich mich Vollzeit meiner schaurigen Leidenschaft widmen muss. Mittlerweile sind wir auch zwei Chefs im Gruseltourhauptquartier in Leipzig, denn mein Partner Sebastian ist mit ins schaurige Business eingestiegen.“

Während einer Tour treten die Guides also nicht als normale Stadtführer auf, sondern stellen sich der Gruppe als Alchemist, Seherin, Brandstifterin, Dämonjägerin oder Giftmischerin vor – jeweils gehüllt in das passende historische Gewand.
„Unsere Kleidung für die Gruseltouren lassen wir größtenteils von einer Schneiderin im Norden Deutschlands nähen, die sich auf Gewandungen spezialisiert hat“, informiert die Unternehmensgründerin. „Unsere Utensilien suchen wir mit Bedacht auf Trödelmärkten zusammen oder gestalten sie in Handarbeit selbst. Dann arbeitet sogar die ganze Familie miteinander und näht, beklebt oder dekoriert.“
Zu den Teilnehmern der Gruseltouren zählen verschiedene Menschen, von unerschrockenen 10-Jährigen bis hin zu furchtlosen Rentnerpaaren und natürlich auch Schulklassen.
Eine Gruseltour soll besonders atmosphärisch sein, wenn die Gruppe nicht allzu groß ist. Daher werden Schulklassen mit über 25 Personen geteilt und gehen dann mit einem zeitlichen Abstand von 30 Minuten los.
Nach Auskunft von Clarissa Herzog sollte man bei der Teilnahme an einer Gruseltour schon etwas unerschrocken sein, denn während der Führung lauern „Dämonen“, „Hexen“ oder „Geister“ der Gruppe auf.
„Aber alles ist stets unter dem Motto Fear and Fun zu sehen,“ versichert Clarissa Herzog. „Wenn man sich erschrecken möchte, bieten wir dafür einigen Anlass. Sollte man aber etwas ängstlicher sein, ist auch genügend Schutz geboten.“
Für Schüler von 10 bis 14 Jahren wird die „normale“ Gruseltour etwas umgewandelt. „Wir erzählen die Geschichten weniger gruselig und bieten eine Art geführte Schnitzeljagd an“, erklärt die Unternehmensgründerin. „Die Kinder erhalten aufwändig gestaltete Unterlagen, die sie von unserem Guide am Anfang ausgehändigt bekommen. Ausgerüstet mit einem Stift müssen sie dann kleine Rätsel lösen, unserem Guide aufmerksam lauschen, um Fragen zu lösen und die Umgebung erkunden.“
Schülern ab 15 Jahren wird die Gruseltour so angeboten wie auch allen anderen unerschrockenen Gästen.

ehemaliger Berliner Pranger, Foto: © Gruseltour Berlin

Die Gruseltour dauert circa 90 Minuten und es werden knapp 1,5 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Dabei bewegt sich die Gruppe die ganze Zeit über im historischen Berlin unter freiem Himmel. Keller, dunkle Räume oder Türme stehen nicht auf dem Tourenplan. Der Treffpunkt befindet sich direkt vor der Klosterruine in der Klosterstraße in Berlin Mitte.
Über die Internetseiten des Unternehmens können, mit Angabe von Wunschdatum und Wunschstartzeit, Termine für Schulklassen angefragt werden. Von Anfang Oktober bis Ende April starten die üblichen Touren 19.30 Uhr, ansonsten um 21.00 Uhr im Dunkeln.

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„Unsere gruselige Stadttour in Berlin wird kostümiert und mit viel Herzblut vorgetragen. Bei uns kommen die Gäste hautnah mit dem Bösen in Berührung. Doch unsere Gruseltour-Guides geben ihr Bestes, um die Gruppe unversehrt durch die Innenstadt zu führen. Meistens klappt das auch“, sagt Clarissa Herzog schmunzelnd.

Kontakt
Gruseltour Berlin

ein Projekt von Mysterium Trmendum GbR
Christian-Ferkel-Str. 3
04159 Leipzig
Telefon 0176 – 5697 1864
kontakt@gruseltour-berlin.de
https://gruseltour-berlin.de

Autorin: © Katrin Mickel | Freie Texterin | www.katrin-mickel.de

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