Klassenfahrt nach Baden-Württemberg

Klassenfahrt nach Baden-Württemberg

Das Bundesland im Südwesten Deutschlands hat für Schulklassen einiges zu bieten – von
Welterbestätten über Seen und Höhlen bis hin zu Wissenschaftsmuseen und mehr

Baden-Württemberg, gelegen im Südwesten von Deutschland, wurde 1952 durch den Zusammenschluss der Länder Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern gegründet. Die größte Stadt dieses Bundeslandes ist die Landeshauptstadt Stuttgart, gefolgt von Karlsruhe und Mannheim. Weitere Großstädte sind Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Heilbronn, Pforzheim, Reutlingen und Ulm.

Als die wichtigste Erholungsregion in Baden-Württemberg und das meistbesuchte Urlaubsziel unter den deutschen Mittelgebirgen gilt der Schwarzwald – mit seinen romantischen Tälern, Schluchten, Mühlen und den typischen Bauernhöfen. Bekannt ist der Schwarzwald insbesondere als Herkunftsort der Kuckucksuhr. Und rund um den Feldberg, dem mit 1.493 Meter Höhe höchsten Berg im Schwarzwald, hat der Wintersport eine lange Tradition.
Für Schulklassen gibt es in Baden-Württemberg einiges zu entdecken. Beispielsweise befinden sich 6 der insgesamt
44 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland zwischen dem Bodensee und dem nördlichen Baden-Württemberg.

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In den seit 2017 zum Welterbe zählenden Höhlen im Lonetal und im Achtal lebten vor etwa 35 bis 40.000 Jahren Menschen, die dort einzigartige Zeugnisse menschlichen Kunstschaffens hinterließen. An keinem anderen Ort der Welt wurden bislang ältere Kunstobjekte gefunden. Zu sehen sind die Kunstwerke der Eiszeit in verschiedenen historischen Museen in Baden-Württemberg: Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren beherbergt, neben anderen Original-Funden, die „Venus vom Hohle Fels“. Im Museum der Universität Tübingen kann unter anderem das 40.000 Jahre alte Vogelherdpferd bewundert werden. Die Vogelherdhöhle selbst ist Teil des Archäoparks Niederstotzingen. Und im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart sind ein Löwen-Köpfchen aus der Vogelherdhöhle sowie eine Mammut-Figur und eine Knochenflöte aus dem Geißenklösterle beheimatet.

Prähistorische Pfahlbauten gibt es am Bodensee und in Oberschwaben zu sehen. Während der Jungsteinzeit wurden die Jäger und Sammler sesshaft und gründeten die ersten dauerhaften menschlichen Siedlungen. Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee wird das Leben in der Steinzeit auf anschauliche Weise dargestellt. Neben den Ufersiedlungen des Bodensees, wurden auch am Federsee in Oberschwaben gut erhaltenen Spuren der Pfahlbauten konserviert. Das Federseemuseum Bad Buchau erschließt die historischen Funde, bietet während der Grabungssaison von Juli bis September Führungen zu den Ausgrabungsstätten und erlaubt einen Blick über die Schultern der Archäologen.

Der obergermanisch-rätische Limes gehört, gemeinsam mit dem Hadrianswall in Großbritannien, seit 2005 zur grenzüberschreitenden Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“. Im nördlichen Baden-Württemberg verläuft ein 164 Kilometer langer Abschnitt dieses größten archäologischen Bodendenkmals in Europa. Neben zahlreichen Rekonstruktionen und Museen entlang des Grenzwalls, befindet sich das zentrale Limes-Informationszentrum Baden-Württemberg in Aalen.

Auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee hat sich eines der bedeutendsten Zeugnisse des frühmittelalterlichen Mönchtums erhalten. Gleich drei Kirchen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert ermöglichen eine Vorstellung vom damaligen Klosterleben. Einen Überblick über die Kunst- und Kulturgeschichte der Klosterinsel bietet das auf drei Standorte verteilte Museum Reichenau.

In der Nähe von Karlsruhe steht mit dem ehemaligen Zisterzienserkloster Maulbronn die wohl am intaktesten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen. An kaum einem anderen Ort lässt sich das Alltagsleben der Mönche besser nachvollziehen als in dieser gotischen Anlage.

Stuttgart war in den 1920er Jahren eines der Zentren des Neuen Bauens in Deutschland. Die Weissenhofsiedlung auf dem Killesberg zeigt bis heute anschaulich, wie die führenden Architekten der Moderne damals das Wohnen veränderten. Zu den bekanntesten Häusern der Weissenhofsiedlung zählen die Wohnhäuser Le Corbusiers. Ei-
nes der beiden Wohnhäuser des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier ist öffentlich zugänglich: Neben einer Ausstellung über die Geschichte der Siedlung erzählen originalgetreu rekonstruierte Innenräume davon, wie sich der Architekt das Wohnen der Zukunft vorgestellt hatte.

Auch Seen sind ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten. In Baden-Württemberg laden zahlreiche Seen zur Abkühlung ein: in idyllischer Lage, mit alter Tradition oder besonderem Ausblick. Ein paar Beispiele sind nachfolgend vorgestellt:
Der Tiefe See in Maulbronn ist schon seit 1898 ein öffentlicher Badesee. Seine Geschichte reicht aber noch weit länger zurück. Oberhalb des UNESCO-Weltkulturerbes Kloster Maulbronn legten ihn die Mönche vermutlich schon im 12. Jahrhundert beim Bau der Klosteranlage an. Heute kann hier inmitten eines Weltkulturerbes gebadet werden.

Oberschwaben ist bekannt für seine Thermalquellen und die urtypische Moorlandschaft. Letztere beeinflusst auch das Wasser des Steegersees. Dem Moorwasser wird eine heilende und kräftigende Wirkung auf den Körper zugesprochen. Rundherum um den See verläuft ein Naturpfad.

An den Ausläufern der Ostalb liegt das Ellwanger Seenland. Zahlreiche Badeseen bieten hier verschiedenste Freizeitmöglichkeiten. Der Bucher Stausee besticht durch die Besonderheit, dass sich direkt am See Mauerreste eines römischen Kastellbads und Gästehauses befinden. Sie gehören
zum Limes-Park Rainau, in welchem noch weitere Zeugnisse aus der Römerzeit erhalten sind.

Am Bodensee bei Immenstadt

Foto: Bodensee bei Immenstadt, © Christoph Düpper, TMBW

Deutschlands größter Binnensee ist der Bodensee. Im Strandbad in Unteruhldingen badet man in nächster Nähe zum UNESCO-Weltkulturerbe Pfahlbauten.

Mitten im Hochschwarzwald, nicht weit voneinander entfernt, liegen der Schluchsee und der Titisee. Der Schluchsee ist nicht nur der größte See im Schwarzwald, er zählt auch zu den höchstgelegenen Stauseen in Deutschland.

Östlich von Heilbronn und unmittelbar an der Württemberger Weinstraße befindet sich der Breitenauer See. Dank seiner Lage ist beim Baden der Blick frei auf Weinberge, Wälder und Felder.

Reisen unter die Oberfläche der Erde gehören ebenfalls oft zum Programm von Klassenfahrten. So kann man sich auch in Baden-Württemberg auf Entdeckungstour durch Höhlen und Bergwerke begeben.

Inmitten des Geoparks Schwäbische Alb, einer der höhlenreichsten Gegenden Deutschlands, befindet sich die einzige erfahrbare Wasserhöhle Deutschlands: die Wimsener Höhle. Ein Fährmann führt die Besucher hier etwa 70 Meter tief in das Erdinnere.

Die Bärenhöhle in Erpfingen ist eine Tropfsteinhöhle, die ihren Namen den zahlreichen Skeletten von Höhlenbären verdankt, die in ihr gefunden wurden. Einige Schädel und Knochen sowie ein restauriertes Bärenskelett können in der bis zu 250 Meter begehbaren Höhle besichtigt werden.

Das Innere der Nebelhöhle, eine der längsten Höhlen auf der Schwäbischen Alb, prägen verschiedenste Tropfsteinformen und verwinkelte Gänge. Bis zu 450 Meter ist diese Höhle begehbar.

Ein Rundgang durch die längste Höhle Süddeutschlands, die auf 587 Metern begehbare Charlottenhöhle, führt die Besucher in eine besondere Tropfsteinwelt. Und am Fuß der Höhle wird im interaktiven Erlebnismuseum HöhlenSchauLand Erdgeschichte anschaulich vermittelt.

Seit 1970 ist der Hella-Glück-Stollen im Schwarzwald für Besucher geöffnet. Hier wurden im 13. und 14. Jahrhundert Silber und Kupfererz abgebaut. Auf 400 Metern durch Stollen- und Erzgänge lässt sich die Welt unter Tage erkunden und so manches über die mühsame Arbeitswelt in einem mittelalterlichen Bergwerk erfahren.

Im Besucherbergwerk Bad Friedrichshall gelangen die Besucher in einer 30 Sekunden dauernden Fahrt in die Welt des „weißen Goldes“. Rund 180 Meter in der Tiefe wird in gewaltigen unterirdischen Kammern die vielfältige Geschichte des Salzes und seiner Gewinnung vermittelt.

Früher wurde im Besucherbergwerk Tiefer Stollen in Aalen Eisenerz abgebaut. Heute führt ein 800 Meter langer Rundweg durch ein Labyrinth an Stollen. Per Grubenbahn gelangen die Besucher unter Tage, wo eine Ausstellung über das Besucherbergwerk informiert.

Neben den Welterbestätten, Seen und Höhlen zählt auch der Besuch von Museen zu den Programmpunkten von Klassenfahrten. Einige der Museen widmen sich dem wissenschaftlich technischen Bereich. So laden in Baden-Württemberg verschiedene Einrichtungen dazu ein, Technik und Wissenschaft spielerisch und mit viel Spaß zu erkunden oder in Museums-Werkstätten das eigene Talent auszuprobieren.
Zu den bekannten unter Deutschlands technischen Museen gehört das Technoseum Mannheim. Hier werden die Besucher der Dauerausstellung von hoch oben in einer Spirale auf schrägen Ebenen nach unten geleitet und so an 200 Jahren Geschichte zu Technologie und Arbeit vorbeigeführt.

Mitten auf einer Insel im Neckar hat die experimenta in Heilbronn ihre Heimat gefunden. Die Neu- und Wiedereröffnung des seit 2017 wegen Umbauarbeiten geschlossenen Science Centers ist für Frühjahr 2019 geplant. Als Ausweichquartier dient das Motorschiff Experimenta – als schwimmendes Science Center.

Im Explo Heidelberg geht es um Optik, Akustik, Mechanik und Physik. In dem interaktiven Museum soll durch Ausprobieren und Experimentieren die Neugier für naturwissenschaftliche und technische Phänomene geweckt werden.

Weitere Museen sind die Experimenta Freudenstadt, das Universitätsmuseum Heidelberg, das Uniseum Freiburg, das Museum der Universität Tübingen und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe.

Für Schulklassen interessant ist außerdem ein Besuch in Deutschlands größtem Freizeitpark, dem Europa-Park in Rust im Schwarzwald. Auch das Ravensburger Spieleland in Meckenbeuren am Bodensee zählt zu den Ausflugszielen von Schulklassen. Ebenso bietet die Bundesgartenschau Heilbronn 2019 verschiedene Veranstaltungen und Workshops für Schulklassen und zwar im Rahmen des „Bunten Klassenzimmers“.

In Baden-Württemberg findet sich zudem eine Vielfalt an Burgen, Schlössern und Gärten. Sie berichten von der bewegten Historie Baden-Württembergs und laden ein zu einer Reise in die Vergangenheit.
Mittelalterliche Burgen faszinieren bis heute, vor allem entlang der Burgenstraße, die auf fast 1.300 Kilometern von Mannheim bis nach Prag führt.

Und Schulklassen, die Baden-Württemberg im Winter besuchen möchten, bietet dieses Bundesland eine große Auswahl an Skigebieten und Wintersportmöglichkeiten.
Der höchste Berg Baden-Württembergs ist der Feldberg. Hier haben sich sieben Betreiber zum Liftverbund Feldberg zusammengeschlossen. Vom Anfängerhang über eine FIS-Weltcupstrecke bis zum Fun Park ist alles vorhanden.
Winterabenteuer lassen sich auch abseits der Skipiste erleben. Rodeln für Fortgeschrittene ist beispielsweise auch auf dem Feldberg möglich, wo die längste Rodelstrecke des Schwarzwaldes auf dem Feldberggipfel beginnt. Von hier aus geht es über vier Kilometer rasant ins Tal.
Mit Schneeschuhen kann durch die Allgäuer Winterwelt gewandert werden. In der Umgebung von Isny finden in der Wintersaison regelmäßig Schneeschuhtouren statt.

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Egal, ob Sommer oder Winter oder eine andere Jahreszeit – für Schulklassen gibt es in Baden-Württemberg einiges zu entdecken.

Autorin: © Katrin Mickel | Freie Texterin | www.katrin-mickel.de

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