Reiseland Thüringen

Reiseland Thüringen

Goethe und Schiller, der Thüringer Wald, der berühmte Rennsteig, die Thüringer Bratwurst – das alles und viel mehr charakterisiert Thüringen. Auch für Schulklassen ist Thüringen in vielerlei Hinsicht interessant.

Der Freistaat Thüringen gehört zu den kleineren Bundesländern Deutschlands. Die Landeshauptstadt ist Erfurt. Häufig wird Thüringen auch als das „Grüne Herz Deutschlands“ bezeichnet. Was darin begründet liegt, dass Thüringen besonders stark durch dichte und weitläufige Wälder geprägt ist und sich aufgrund der Lage geradezu im „Herzen“ der Bundesrepublik befindet.

Unter den überwiegend kleinen, alten und historisch bedeutenden Städten in Thüringen befinden sich teils international bekannte Städte. Dazu gehören die Luther-Stadt Eisenach mit der Wartburg sowie die Stadt Weimar, welche für viele Jahre die Heimat von Goethe und Schiller, Herder und Wieland war und daher auch den Beinamen „Stadt der deutschen Klassik“ trägt. Von Bedeutung ist ebenso der bekannte Technologiestandort Jena sowie die Landeshauptstadt Erfurt mit ihrem Dom und ihrer ebenfalls geschichtsträchtigen Vergangenheit. Hier wurde unter anderem Martin Luther zum Priester geweiht.

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Früher, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, war Thüringen ein politischer Flickenteppich und bestand aus vielen Reichsstädten, Herzogtümern und Fürstentümern. Diese konkurrierten um Glanz und Pracht und so entstanden Residenzen mit prunkvollen Schlössern und wehrhaften Burgen. Damals wie heute sind diese Bauwerke Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.

Kultur und Natur liegen in Thüringen dicht beisammen. Goethe schwärmte von den Vorzügen Thüringens wie folgt: „Wo noch in deutschen Landen findet man so viel Gutes auf so engem Fleck?“
Als 26-Jähriger wurde Johann Wolfgang von Goethe an den Hof von Weimar eingeladen. Und in Weimar ließ er sich für den Rest seines Lebens nieder. Auch Friedrich von Schiller lebte viele Jahre hier. Goethe und Schiller legten gemeinsam den Grundstein für eine neue Epoche – ihre Werke bilden die Kernstücke der deutschen Klassik. Bis heute können in Weimar die authentischen Schauplätze sowie originalen Handschriften bestaunt werden.
Vor dem Deutschen Nationaltheater steht das Goethe-Schiller-Denkmal. Es ist sicher das am häufigsten fotografierte Denkmal der Stadt.
Martin Luther und Johann Gottfried von Herder predigten in der Stadtkirche, die heute den Namen Herders trägt. Johann Sebastian Bach war hier als Hoforganist zu hören. Franz Liszt und Richard Strauss wirkten im 19. Jahrhundert als Kapellmeister in der Stadt. Die Herzogin Anna Amalia lud regelmäßig zum Musenhof ein und versammelte dabei Dichter und Philosophen um sich. Und nach dem Ersten Weltkrieg fand in Weimar im Jahr 1919 die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung statt, von der sich der Name der Weimarer Republik herleitet. Seit Generationen wird die innerstädtische „Kulturmeile“, mit insgesamt 27 Museen, von Gästen aus aller Welt besucht. Die Herzogin-Anna-Amalia-Bib-liothek, der Park an der Ilm, das Goethe Nationalmuseum mit dem Wohnhaus oder das neue Bauhausmuseum, dessen Eröffnung für das Jubiläumsjahr 2019 geplant ist, sind nur einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten Weimars. Inzwischen sind 16 Objekte in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

Ein wahres Kulturjuwel ist die Landeshauptstadt Erfurt mit einem der am besten erhaltenen und größten mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands. Neben aufwendig restaurierten Patrizier- und Fachwerkhäusern gibt es hier die Krämerbrücke mit ihren zahlreichen Kunsthandwerk- und Antiquitätengeschäften. Überragt wird das ganze Ensemble von der eindrucksvollen Kulisse des Doms St. Marien und der Severikirche auf dem Domberg. Naturliebhaber finden auf der Gartenausstellung egapark eine ausgedehnte Pflanzenschau. 2021 ist das der Ort für die Bundesgartenschau.

Auch die Zeugnisse des jüdischen Lebens gehören zu den Thüringer Kulturgütern. Eine der ältesten, größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Sy-nagogen Europas ist die Alte Synagoge in Erfurt. Im Keller der Synagoge wird der sogenannte Erfurter Schatz ausgestellt – ein in Umfang und Zusammensetzung einmaliger Fund. Der Schatz mit einem Gesamtgewicht von fast 30 Kilogramm wurde höchstwahrscheinlich während des Pogroms von 1349 vergraben.

Ebenso macht Thüringen als Kernland der Reformation von sich reden. Mit dem Thesenanschlag von Martin Luther wurde die Neuausrichtung der Kirche nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa geprägt. Sein Einfluss und der von weiteren Reformatoren wirkte sich maßgeblich auf Sprache, Musik, Kunst und Kultur aus. Die Thüringer Wirkungsstätten des einstigen Visionärs und Revolutionärs sind spannende Zeugnisse jener Zeit: In Eisenach verbrachte er seine Schulzeit, in Erfurt studierte er Theologie und auf der Wartburg übersetzte er das Neue Testament. Ob Wandern auf dem Lutherweg, Museumsbesuche an seinen Lebensstationen, spezielle Führungen und Festgottesdienste – es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich dem berühmten Reformator zu nähern.

Im Hinblick auf die Anzahl der UNESCO Welterbestätten kann sich Thüringen über vier Eintragungen freuen. Zu denen zählen die Wartburg in Eisenach, das Ensemble „Klassisches Weimar“, die Weimarer Bauhausstätten und der Nationalpark Hainich.

Blick auf Eisenach mit Wartburg

Foto: Blick auf Eisenach mit Wartburg, © André Nestler / Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH

Die tausend Jahre alte Wartburg ist deshalb so bekannt, weil sich hier Geschichte manifestierte wie an kaum einem anderen Ort in Deutschland. Sie war beispielsweise im 12. Jahrhundert Schauplatz des legendären Sängerwettstreits mit Walther von der Vogelweide, wenig später Wohnsitz der Heiligen Elisabeth und 1521 fand hier Martin Luther Schutz und Inspiration für die Übersetzung des Neuen Testaments. Im Jahr 1817 trafen sich in ihren Mauern die deutschen Burschenschaften zum Wartburgfest und später inspirierte die Burg Richard Wagner zu seiner romantischen Oper „Tannhäuser“.

Seit 1998 ist das Ensemble „Klassisches Weimar“ auf der UNESCO-Welterbeliste vertreten. Dabei handelt es sich um verschiedene Denkmäler der Stadt Weimar. Darunter befinden sich öffentliche und private Gebäude von großer kunsthistorischer Bedeutung sowie Parklandschaften aus der Blütezeit des klassischen Weimar.

Das Staatliche Bauhaus Weimar, ein Sinnbild für revolutionäre Ideen in der Baugestaltung, Stadtplanung und Architektur, wurde 1919 von Walter Gropius gegründet. Von der berühmtesten Schule für modernes Design und Architektur Deutschlands sind noch heute Gebäude und Kunstwerke zu besichtigen. 2019 feiert Thüringen den 100. Geburtstag des Bauhauses und mit ihm die Eröffnung des neuen Bauhausmuseums im April 2019. Auch in weiteren Städten, wie Erfurt, Apolda und Gera, ist die Architektur des Bauhauses zu entdecken.

Der Hainich gehört zu den letzten Überbleibseln der Urwälder, welche einst weite Teile Mitteleuropas bedeckten. Seit 2011 ist der Nationalpark Hainich ein Teilgebiet der gemeinsamen Welterbestätte „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“. Am besten entdeckt man den Nationalpark auf den zahlreichen Wanderwegen, die insgesamt über 100 Kilometer Länge haben. Bei einer Tour mit dem Ranger wird zudem viel Wissenswertes über die besonderen Bäume oder die seltenen Tierarten in dieser Region vermittelt. Im Nationalpark befindet sich außerdem ein Baumkronenpfad, der sich in 24 Meter Höhe mit einer Länge von 530 Metern durch die Wipfel der Baumriesen windet.

Thüringen wird auch von Erinnerungskultur geprägt. Wo einst Menschen Fluchtversuche aus der DDR in den Westen unternahmen, befinden sich heute Orte der Erinnerung. Die Gedenkstätte Point Alpha, zwischen Geisa in Thüringen und Rasdorf in Hessen, wurde mit dem europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Ferner ist die Bildungs- und Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt Teil einer bewegenden Vergangenheit: Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR betrieb hier eine Untersuchungshaftanstalt. Entlang des ehemaligen Grenzstreifens – dem Grünen Band – bieten sich zudem besondere Wandererlebnisse. Hier konnte sich in völliger Abgeschiedenheit eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt entwickeln.

In Thüringen gibt es außerdem einige Besucherbergwerke und Höhlen, die zu einem Besuch einladen. Einige davon sind nachfolgend vorgestellt: Im Guiness-Buch der Rekorde stehen die aus einem alten Alaunschieferbergwerk hervorgegangenen Saalfelder Feengrotten, denn sie gehören zu den farbenreichsten ihrer Art weltweit. Das dazugehörige Erlebnismuseum informiert über Tropfsteine, Mineralien und mehr.
Um ein unterirdisches Labyrinth, mit über 2.500 tragenden Säulen, handelt es sich bei der Sandstein- und Märchenhöhle in Walldorf. Mit 65.000 Quadratmeter Fläche unter Tage ist sie eine der größten von Menschenhand geschaffenen Höhlen dieser Art in Europa. Sie entstand aufgrund des Abbaus eines weißen, feinkörnigen Sandes, der als Streu- und Scheuersand Verwendung fand. In der Höhle gibt es zudem mehr als 30 liebevoll dargestellte Märchenbilder zu bestaunen.
Bergbau zum Anfassen präsentiert das Besucherbergwerk „Hühn“ in Brotterode-Trusetal. Zu sehen sind hier Gleise, technische Geräte und natürlich jene Kristalle, die bis 1990 abgebaut wurden: Schwer- und Flussspat.
Über den Bergbau rund um Friedrichroda können sich Besucher in der Marienglashöhle informieren. Von 1778 bis 1903 wurde in diesem ehemaligen Bergwerk Gips abgebaut. Im Jahr 1778 entdeckte man in der Marienglashöhle die Kristallgrotte. Sie gilt als eine der schönsten und größten in Europa. Gipskristalle bis zu 90 Zentimeter Länge sind hier zu sehen.

Bekannt ist Thüringen besonders auch für seine guten Wandermöglichkeiten. Rund 7.000 Kilometer ausgebaute und beschilderte Wanderwege und mehr als 1.500 Kilometer Radfernwege stehen für ausgiebige Entdeckungen zur Verfügung – ob entlang des berühmten Rennsteigs mit
169,3 Kilometer Länge, auf den Hochflächen des Schiefergebirges oder durch die zahlreichen romantischen Flusstäler.

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Im Winter ist bei Wintersportlern der Thüringer Wald beliebt, mit etwa 995 Kilometer zertifizierten Skiwanderwegen,
540 Kilometer Winterwanderwegen sowie 655 Kilometer Loipen und modernsten Snowboardpisten. Der Langlauf zählt in Thüringen zur Nummer 1 unter den Skisportarten.

Autorin: © Katrin Mickel | Freie Texterin | www.katrin-mickel.de

 

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