Staatsoper Unter den Linden in Berlin

Was lange währt, wird endlich gut

Nach sieben Jahren Renovierungsphase hat die Staatsoper Unter den Linden in Berlin seit Dezember 2017 wieder ihren regulären Spielbetrieb aufgenommen. Für Schulklassen werden verschiedene Möglichkeiten geboten, sich mit dem Thema Oper zu beschäftigen.

In der historischen Mitte von Berlin, am Boulevard Unter den Linden, befindet sich das prachtvolle Opernhaus der Staatsoper Unter den Linden. Hier gastierten Persönlichkeiten wie Richard Strauss, Erich Kleiber, Wilhelm Furtwängler, Otmar Suitner und Herbert von Karajan.
Es ist ein Haus mit einer langen, bewegten Geschichte. Ehemals als Königliche Hofoper von 1741 bis 1743 erbaut, war es das erste freistehende Opernhaus Deutschlands und zur damaligen Zeit das größte Operngebäude in Europa.
Das Haus „durcherlebte“ in den Jahrhunderten seit seiner Errichtung verschiedene historische Epochen, erfuhr Zerstörungen durch Brände oder Krieg, Wiederaufbauten, Umbauten, Erweiterungen oder Zeiten der Nichtnutzung.

Im Jahr 1742, am 7. Dezember, fand mit einer ersten Premiere im noch unfertigen Bau die Eröffnung des Opernhauses statt.
Und 275 Jahre danach, am 7. Dezember 2017, nahm die geschichtsträchtige Staatsoper Unter den Linden, nach sieben Jahren der Renovierung und Sanierung, ihren Regelbetrieb wieder auf.
Seitdem stehen, neben klassischem und modernem Musiktheater auf der großen Bühne und in der Neuen Werkstatt, auch Kinderopern, Jugendprojekte, Sinfoniekonzerte und Kammerkonzerte, unter anderem auch im Apollosaal, auf dem Programm.

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 Saalansicht

Fotos: Staatsoper Unter den Linden, Saalfotos: © Gordon Welters (2), Hänsel und Gretel: © Monika Rittershaus (1)

Was jedoch machte die Sanierung notwendig und warum dauerte es so viele Jahre?
Nachdem die Staatsoper Anfang der 1950er Jahre komplett wieder aufgebaut wurde, fand die letzte Generalsanierung des Hauses noch zu DDR-Zeiten, 1983 bis 1986, statt.
Die Bausubstanz der Staatsoper stammte bis zu Beginn der Sanierungsarbeiten 2010 noch aus den 1950er Jahren.
Das Gesamtprojekt der 2010 begonnenen Sanierungsarbeiten umfasste verschiedene Bereiche: das Opernhaus, das Intendanzgebäude, das Probenzentrum und das unterirdische Verbindungsbauwerk für den Kulissentransport.
Unter Einhaltung von denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgten die Beseitigung bautechnischer Mängel sowie der Umbau der stark veralteten Gebäudeausstattung entsprechend eines zeitgemäßen sicherheitstechnischen Niveaus.
Die für die Sanierung ursprünglich geplante Bauzeit von drei Jahren wurde um mehr als die doppelte Zeit überschritten. Gründe dafür waren ein schwieriger Baugrund, die schlechte Bausubstanz, Planänderungen und die Insolvenz eines Ingenieurbüros.
So stiegen die Baukosten, welche fast zu gleichen Teilen der Bund und das Land Berlin übernahmen, von ursprünglich 235 auf 400 Millionen Euro.

Nach den Sanierungsarbeiten präsentiert sich das Opernhaus seit Ende 2017 in frischem Glanz, mit bequemeren Sitzplätzen – insgesamt 1.356, neuer Technik, besserer Akustik und vollständiger Barrierefreiheit.

 Hinter der Nachhallgalerie

Foto: Staatsoper Unter den Linden, © Gordon Welters

Eine besondere Herausforderung bei den Sanierungsarbeiten bestand in der Verbesserung der Raumakustik im Opernsaal. Hier wurde die Nachhallzeit verlängert. Für eine wahrnehmbare Verbesserung des Raumklangs war eine wesentliche Vergrößerung des akustisch effektiven Raumvolumens erforderlich.
Dazu erfolgte die Anhebung der Decke des Innenraumes um fünf Meter. Unter Einhaltung von denkmalgerechten Vorgaben wurde die gestaltete Decke aufgeschnitten, ausgelagert und nach dem Umbau der Tragkonstruktion fünf Meter höher als ursprünglich wieder angebracht.
Ziel dieser aufwendigen Umbauten war es, dass in allen Publikumsbereichen ein warmer, reicher und räumlicher Klang wahrgenommen werden kann und dabei alle In-strumentengruppen gut hörbar sind.

Die Nachhallzeit zu verlängern war ein Wunsch von Daniel Barenboim. Er ist seit über zwanzig Jahren Generalmusikdirektor. Im Jahre 2000 wurde er von der Staatskapelle Berlin als Dirigent auf Lebenszeit gewählt.

Schülern bietet die Junge Staatsoper in der Staatsoper Unter den Linden verschiedene Möglichkeiten, sich mit dem Thema Oper zu beschäftigen und einfach mal Bühnenluft zu schnuppern.
Ganz unter dem Motto: Oper kann man nicht beschreiben, Oper muss man erleben!
So können die Schüler auf, vor und hinter der Bühne Oper entdecken und hinterfragen.
Dabei treffen sie auf Menschen aus aller Welt in unterschiedlichsten Berufen, die Oper gemeinsam möglich machen.

In Schülerworkshops können sich die Schüler auf den Vorstellungsbesuch vorbereiten.
Sie beschäftigen sich innerhalb eines Vormittags intensiv mit den Inhalten eines Werkes, schlüpfen selbst in verschiedene Rollen und finden so einen individuellen Zugang zu den Themen der Oper.

 Szene aus Hänsel und Gretel
Vorbereitende Workshops werden zu folgenden Werken angeboten: Ariadne auf Naxos, Die Zauberflöte, Hänsel und Gretel, Il barbiere di Siviglia, King Arthur, La Bohème, L’Incoronazione di Poppea, La traviata, Ti vedo, ti sento, mi perdo, Le nozze di Figaro, Les pêcheurs de perles, Macbeth, Orfeo ed Euridice, Pelléas et Mélisande, Salome, Tosca, The turn of the screw.
Auch Probenbesuche sind für Schulklassen möglich.
Während bei einer Vorstellung alles auf der Bühne leicht und perfekt wirkt, ahnt kaum ein Zuschauer, wie viel Arbeit hinter einer Opernproduktion steckt und wie viele Personen damit beschäftigt sind, dass alle Abläufe reibungslos funktionieren. Schulklassen können diesen Alltag im Opernhaus bei einem Besuch von Proben erleben, die sie vom 1. Rang aus verfolgen: Arbeitslicht, Stars in Jeans, Zurufe vom Inspizienten, Anweisungen vom Dirigenten in deutscher oder fremder Sprache.

Im Orchesterprobensaal sind die Schüler mit dabei, wenn sich die Staatskapelle Berlin auf ihre Auftritte vorbereitet, denn auch Profimusiker müssen vor einem Konzert oder einer Opernaufführung proben.
Hier können sie beobachten, wer welche Aufgabe hat, welche Zeichen es gibt und wie die einzelnen Instrumente klingen.
Auf einen solchen Probenbesuch werden die Schüler in einem Workshop, inklusive Künstlergespräch, vorbereitet.

Für Lehrende und Studierende aus musischen, pädagogischen, sozialen und therapeutischen Berufsfeldern bietet die Junge Staatsoper Fortbildungen an.
Diese haben zum Ziel, die Methoden der szenischen Interpretation von Musiktheater zu vermitteln.

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Ergänzt wird das Tätigkeitsfeld der Jungen Staatsoper durch Kooperationsprojekte rund um das Musiktheater mit Schulen, sozialen Einrichtungen, Stiftungen und Verbänden sowie Freizeitangebote für alle Altersstufen.

Kontakt
Staatsoper Unter den Linden

Unter den Linden 7
10117 Berlin
Telefon 030 – 20 35 40
www.staatsoper-berlin.de
Junge Staatsoper
Telefon 030 – 20354697
operleben@staatsoper-berlin.de

Fotos: Staatsoper Unter den Linden, Saalfotos: © Gordon Welters (2), Hänsel und Gretel: © Monika Rittershaus (1)

Autorin: © Katrin Mickel | Freie Texterin | www.katrin-mickel.de

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